Der PS4K / PS4.5 Hype analysiert

Der Grund, dass ich nicht seit einer Woche damit beschäftigt bin täglich hyperaktive Posts heraus zu bringen, die sich mit dem unmittelbaren Release der „PS4.5“ oder „PS4K“ beschäftigen, ist folgender: Journalistische Integrität.

Jetzt kann man natürlich sagen, hey, du hast einen Blog, du bist weder ein Journalist noch beweist das Integrität. Das stimmt rein rechtlich natürlich nicht, da sich in Deutschland jeder Journalist nennen kann. Integrität hingegen kann man selbst haben oder sich einbilden zu haben. Journalistische Integrität würde ich deshalb folgendermaßen auslegen: Kritisches Denken und das anwenden von einfachen journalistischen Hilfsmitteln.

Nehmen wir als Beispiel die Meldung, die letzte Woche um die Welt ging und es sogar ins Wall Street Journal schaffte (die aber von Integrität noch nie etwas gehört haben, ergo das allein für mich keinerlei Verifizierung durch Printmedien darstellt). Die Information, dass es eine neue PS4, die PS4.5 geben wird, hatte genau EINE Quelle – und zwar die „Leute von Kotaku“, die es angeblich gehört hatten. Natürlich liest man hier und dort dann die Info „es handelt sich aktuell nur um Gerüchte“, aber erst am Ende all der unverifizierten Beiträge, wenn überhaupt.

An dieser Stelle kann ich nur jedem empfehlen, sich die 3 (viel zu kurzen) Staffeln der HBO Serie „The Newsroom“ anzuschauen. Wieviele Quellen hat man mindestens, bevor man etwas in die Öffentlichkeit trägt? Ich nehme nichts vornweg, aber es sind mehr als EINE.

Was dann passierte, ist ein Schauspiel, dass seines Gleichen sucht. Fast jeder kopiert die Nachricht, die sie irgendwo gelesen haben und fügen neue Informationen dazu, die sie sich selbstverständlich selbst ausgedacht haben, um die Leser zu befriedigen. Denn bitte vergesst nicht, es handelt sich um ein Gerücht, auf das Sony sich nicht geäußert hat. Alle Informationen – wie schnell, teuer und überhaupt die PS4k, die dann alles in 4k macht und sicher auch noch einen Kuchen backt wenn man will – jeder einzelne Fakt wurde sich durch die Autoren von Blogs ausgedacht und aus der persönlichen Wunschliste herbeigezogen.

Heute habe ich zum Thema das erste Mal eine relevante zweite Quelle entdeckt. Auf Gamepur beruft man sich mit dieser Quelle zum ersten Mal auf eine zweite Person. Und die Autoren definieren sofort, dass zwar die Quelle legitim sein sollte, aber nicht als wahre Aussage hingenommen werden kann.

Was scheinbar fast niemand versteht, ist dass Reddit und Foren keine verlässlichen Quellen darstellen. Und entweder die Gerüchte werden bestätigt und alle Hyper fühlen sich großartig (für die falschen Gründe) oder… oder was? Denn das ist das Problem. Niemand muss seinen Blog schließen, das wäre absurd – aber ich wette, dass niemand sich für den falschen Hype entschuldigt oder auch nur EINEN Leser verliert.

Wir sind mittlerweile gewöhnt, dass Gerüchte und Wahrheit mit gleichem Aufwand und mindestens gleicher Auflage produziert und veröffentlicht werden. Schuld daran zu suchen bedarf vermutlich einer riesigen Studie oder Doktorarbeit. Aber für mich ist der Konsument der Leittragende, nicht der Schuldige. Seitdem man weiß, dass Leute sich die Informationen suchen, die zu ihrer eigenen Meinung passt, hätte man alles unternehmen müssen, Leuten ständig andere Informationen zu zeigen. Aber was – selbstverständlich – passiert ist das Gegenteil. Denn für jede noch so dumme Einstellung gibt es Informationen en masse. Die Leute fressen es und fühlen sich ausgeglichen informiert, weil sie die FAZ und den Spiegel ja auch noch in ihrer Bookmarkliste haben, eben nur was anderes bevorzugen. Nur hat das weder etwas mit Ausgewogenheit zutun, noch ist es demokratieförderlich. Aber ich schweife ab.

Die Moral von der Geschicht: Schreibt nicht alles, was Leser lesen wollen, sondern das, was tatsächlich passiert und verifizierbar ist.

PS4Talk’s Sicht zu einer neuen PS4k5

Aus rein technischer Sicht macht das gesamte Thema keinen Sinn, da eine 2. PS4 mit mehr Leistung gegen den Grundgedanken von „Konsole“ verstoßen würde. Wenn es die aktuelle Generation PS4 bis voraussichtlich 2018, 2019 gibt – und Millionen Gamer bereits im Besitz der „klassischen“ PS4 sind – ergibt sich daraus, dass kein einziger Entwickler nur für die „neue“ PS4k5v2 arbeiten könnte. Auch qualitatives Abspecken für „klassische“ PS4 User ist fast undenkbar, denn damit würde sich Sony mehr Feinde als Freunde machen.

Als die PS4 heraus kam, war ich der erste der gesagt hat, „Schade, dass sie nicht 2 Versionen herausgebracht haben, eine für 400€ und eine High-End-Version für 700€“. Und wenn Entwickler sich von Anfang an darauf hätten einstellen können, wäre es evtl. etwas anderes gewesen, hätte aber immer noch ein reines Optimierungschaos dargestellt.

Um Vorteile von einer neuen Version der PS4 für bereits veröffentlichte Titel nutzen zu können, wäre ein Update für den Titel unabdingbar. Was aber viele nicht wissen: Die Leistungsoptimierung für Konsolen dauert für die meisten Spiele ewig. Auch für den PC muss optimiert werden, aber da die Entwickler mit bestimmter Hardware arbeiten, ist diese Optimierung nie soweit von der möglichen Hardware entfernt, die PC-Gamer daheim haben. Die Konsolen hingegen haben feste Chipsätze, feste GPUs, weshalb die Optimierung auch mal 6 oder 12 Monate dauern kann.

Würde eine neue PS45k2 herauskommen, schätze ich es als finanziell unmöglich für die Entwickler ein, schnell mal einen „kleinen Patch“ für ihre – wohlgemerkt – teilweise 50GB Datenriesen herauszubringen, der die neue Leistung nutzt. Denn ein solches Update würde das Spiel merklich besser machen müssen, um sich für den Nutzer auch zu lohnen.

Leute.

Würde ich mich freuen, Witcher 3 endlich in 60fps und mit mehr Details auf meiner neuen PS4k zu spielen? Natürlich. Ich wäre der erste, der eine kaufen würde. Aber. Wie realisierbar ist ein solches Unterfangen? Und wie sinnvoll ist es für Sony, die Konsolendefinition zu zerstören? Denn bedenkt: Die Meinung, dass man sich dann gleich einen PC kaufen kann… wäre mit dem Erscheinen von 2, 3, 5 verschiedenen Versionen dann fast schon logisch. Eine PS4 ist kein iPhone. Bzw. wenn sie eins werden soll, müssen wir für die Spiele bald anstelle von jetzt schon überteuerten 70€ 120€ bezahlen, da die Entwickler – wie Apple – für die Optimierung aller Geräte viele neue Leute einstellen müssten.

Seien wir also zufrieden, mit dem was wir haben (ich weiß, das klingt fürchterlich contra-intuitiv) und schauen auf Titel wie Uncharted 4: A Thief’s End und realisieren, dass wir keine bessere Hardware brauchen, sondern dass sich die Studios schlichtweg ein Beispiel an Entwicklern wie Naughty Dog nehmen sollten und Spiele direkt für die Konsole entwickeln sollten. Der PC könnte genauso einen Port bekommen. Die Raubkopie hätte ein Ende (da nur der PC damit ein Problem hat) und alle Gamer würden davon profitieren.

Denn es ist immer einfacher, Effekte abzuschalten und Texturen kleiner zu machen, wenn man für die PS4 „optimiert“, als sich einen Weg auszudenken, nichts abschalten zu müssen. Denn wenn Uncharted 4 hält, was es verspricht, kann man mit einer 300€ Hardware bald das schönste Spiel der Welt spielen.