Hitman Episode 2: Sapienza

Auch ich möchte meinen Senf zu den neuen Spielen geben, die herauskommen. Allerdings komme ich selten schnell mit dem Schreiben von ausführlichen Reviews hinterher. Deshalb gibt es dieses Review zur 2. Episode des neuen Hitman Spiels erst jetzt, kurz bevor wir die 3. Episode erwarten können. Lest es trotzdem. Oder nicht, geschrieben ist es jetzt so oder so.

Wertung erklärt

Anfangen tuen wir mit den Basics. Da wir noch öfter miteinander Spiele auseinander nehmen und uns über sie freuen oder aufregen werden, lohnt es sich zu erklären wie ich bewerte und warum. Selbst noch nie ein PS4 Spiel erstellt und trotzdem große Meinungen dazu haben, das sind mir die Richtigen.

  • Grafik: 10%
  • Musik: 15%
  • Charaktere & Story: 30%
  • Immersion: 45%

Grafik

Wieso fallen Grafik und Musik so vergleichsweise ins Gewicht? Erinnert ihr euch an Half Life? Das erste? Wer war nicht beeindruckt von der visuellen Umsetzung? Oder ein älteres Hitman, etwa Absolution. Zur damaligen Zeit war es grandios, oder zumindest in Bezug auf den Stand der Technik grandios.

 

Grafik ist für mich deshalb situativ / relativ (Albert Einstein dreht sich gerade wiedermal im Grab). Verglichen mit Uncharted 4 sind PS2 Titel lächerlich. Das heißt aber nicht, dass sie keinen Spaß gemacht haben etc., sondern nur, dass sie auf dem damaligen Stand der Technik waren. Deshalb bewerte ich den aktuellen Stand der Technik im Vergleich mit anderen Genre-spezifischen Spielen der Zeit.

Unsere Erinnerung, oft sogar kollektiv für eine ganze Generation Gamer, sind wie vieles in unserer rosa-roten Welt verfälscht. Wir erinnern uns blumig an Spiele, weil wir jung und völlig davon eingenommen waren, nicht weil das Drehbuch grandios war oder die Grafik heute noch gut aussieht.

Versteht mich nicht falsch, ich bin großer Fan von sich verbessernder Technik. Ich bin der Meinung, dass Spiele sich generell nicht nur grafisch, sondern auch inhaltlich in den letzten 10 – 15 Jahren verbessert haben. Half Life 1 hatte keinerlei Hintergrundgeschichte oder tiefgründige Zwischensequenzen und dennoch erinnert man sich oft an das Erlebnis. Warum? Weil die Hintergrundgeschichte sich im eigenen Kopf abspielte. Und es gibt keinen besseren Schriftsteller oder keine bessere Grafikkarte als die eigene Fantasie.

Weil Grafik trotzdem wichtig ist und ich mich über Fortschritte, etwa grandios aussehendes Wasser oder sich mit dem virtuellen Wind bewegende Bäume, nach wie vor freue wie damals mit Half Life, gebe ich für die Kategorie Grafik 10%.

Musik & Sound-Mixing

Die Musik ist meiner Meinung nach nicht nach dem Grafik-Kriterium „aktuelle Zeit“ zu betrachten. Musik kann zeitlos sein. Deshalb hört man nach 300 Jahren immer noch Mozart, aber wird in 300 Jahren vermutlich nicht mehr Taylor Swift auf dem iPhone 745 abspielen.

In die Hier meine ich alles von musikalischer Untermalung, über Soundeffekte und wie die Musik das Gesamtpaket unterstützt oder stört. Und das ging vor 10 Jahren schon genau so gut wie es heute ist. Musik verschwindet wenn sie richtig gemacht ist in den Hintergrund und fällt nur auf, wenn man sich darauf  konzentriert. Oder man merkt, wie sie stört. Musik bekommt deshalb 15% Gesamtgewicht. 

Somit kann auch ein technisch einwandfreies AAA-Spiel schnell in das Klo greifen, wenn Immersion und die Story inkl. der Charaktere nicht stimmen.

Immersion

Eingedeutschtes Wort, was meint, wie sehr man sich in etwas verliert. Schwitzt ihr mit Nathan Drake, wenn unter euch die Brücke zusammenbricht? Schreit ihr den Fernseher an, wenn ihr sterbt? Müsst ihr Tränen unterdrücken, wenn ihr Ciri ins Licht gehen seht, unsicher ob sie wiederkommt oder nicht?

Videospiele – meiner Ansicht nach – können gleich viele Emotionen (theoretisch noch mehr) auslösen, wie ein guter Film. Theoretisch mehr, weil man sich lange mit einem Spiel beschäftigt und die Charaktere kennen lernt, evtl. Entscheidungen getroffen hat, etc. Immersion ist zeitlos. Und deshalb ist Immersion für mich die Wichtigste Kategorie und bekommt eine Wertung von 45%.

Charaktere & Story

Ich meine eigentlich, dass die beiden Hand in Hand gehen. Oft ist dies aber nicht der Fall oder es wird eine Story aufgebaut, der ernstzunehmende, runde Charaktere fehlen. Story ist selbstverständlich Teil von Immersion, aber ich fand die Unterscheidung wichtig genug, um eine extra Kategorie daraus zu formen. Schließlich kann man sich in einem Spiel verlieren, aber die Story ist evtl. trotzdem schlecht oder so gut wie nicht existent.

Was hier nicht zählt ist folgendes: Wenn die Geschichte in meinem Kopf passieren muss, weil das Studio es nicht für nötig gehalten hat, eine zu schreiben. Wie gesagt, das muss nicht heißen, dass die Immersion nicht trotzdem vollkommen ist. Aber in diesen Fällen gibt es hier starken Abzug.

Beispiel: Uncharted 4 und Uncharted 1 sind was die Immersion angeht evtl. gleich auf, aber Story & die tiefe der Charaktere ist in Teil 4 um Längen besser entwickelt und durchdacht, als in Teil 1. In Teil 1 müssen wir uns viel selber denken.

Und da ich zocke, um etwas zu fühlen, ist mir diese Kategorie sehr wichtig und liegt damit bei 30% der Gesamtwertung.  Und das bringt uns zu 100% und dem Review. Viel Spaß beim Lesen.

Review – Hitman Episode 2: Sapienza

Erster Eindruck

Ein sonniges, wundervolles Küsten-Level, im Stil einer italienischen Kleinstadt. An jeder Ecke sind Läden, Seitengassen und Häuser begeh- oder einbrechbar. An besagten Ecken findet man dutzende Opportunities, d.h. Möglichkeiten die Missionsziele auf unterschiedliche Art und Weise zu erfüllen. Die Map scheint unheimlich offen und weit. Es sind mindestens genauso viele Details wie in Paris eingearbeitet. Und auch für den ein oder anderen Lacher ist gesorgt. Herzlich willkommen in Sapienza. Famoser erster Eindruck.

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Grafik

Im Vergleich zu den bisherigen Levels ist Sapienza hell und sonnig. Die Engine macht ihre Sache gut. Das Wasser – für mich ein entscheidender Faktor für die Grafikqualität in einem Spiel – sieht in der Nähe zwar gut aus, in der Distanz wirkt es aber sehr verschwommen und sieht wenig Next-gen aus.

Die Landschaft, sowohl im Vorder- als auch im Hintergrund, ist mir zu statisch. Hier wünsche ich mir seit The Witcher 3 eigentlich überall und immer – zumindest in Grundzügen – eine sich bewegende Welt, in die ich dadurch noch mehr eintauche. Die Blätter-Texturen an Bäumen kann man nicht fotografieren, ohne jemanden abzuschrecken.

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Der Gesamteindruck ist trotz der einzelnen Details die mir negativ auffallen sehr, sehr stimmig und das neue Hitman sieht weiterhin sehr gut aus. Licht scheint von Außen nach Innen und blendet die Sicht von 47. Die NPCs sind relativ statisch an ihre gescripteten Routen gebunden und lassen sich nicht so umstoßen, wie ich gerne hätte, aber ok.

Square Enix hat es nach wie vor nicht geschafft, die „flexible“ Framerate und die Drops der Framerate zu beheben. Für ein recht statisches Level mit festen Grenzen erwarte ich heutzutage 60fps. Wenn ich nur 30 bekomme, kann ich das unter Umständen auch akzeptieren, aber nicht, wenn es dann bei Explosionen oder anderen spontanen Sequenzen auf 15fps o.ä. einbricht. Das ging im Paris-Level schon nicht und es kann nicht sein, dass die Engine weiterhin nicht behoben wird. Als Denkzettel gibt es deshalb diesmal nur 60%. Bitte behebt die Frame-Drops.

Musik

Der Soundtrack des Reiselustigen 47 auf seinem neuen Abenteuer ist grundsätzlich sehr gelungen. Die Musik und Soundeffekte untermauern quasi perfekt die Schweißperlen die man schwitzt, wenn der Halbkreis am unteren Bildschirmrand erscheint.

Verwöhnte Gamer wie ich wünschen uns allerdings mehr spezifische Musikstücke für einzelne Level. Oder sagen wir es so: Wenn es diese gibt, sind sie mir nicht aufgefallen. Ich muss (darf!) wieder mit Witcher 3 vergleichen, in dem ich auf jedem Kontinent und dann nochmal in einzelnen Stadtbezirken eine sich dauernd ändernde, musikalisch perfekte Untermalung für die jeweilige Situation und den Ort an dem man sich befindet hervorzaubert.

Warum nicht vor / während eines Kills das bekannte Stück aus Blood Money, was sogar in Hitman Go nach einem Kill spielt, einspielen? Aber gut. Mir fehlt jedenfalls irgendwie etwas allumfassendes. Deshalb gibt es von mir für die Musik 65%.

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Immersion

Musik, Grafik, mütterlich-ermahnende Steuerung (ja, ich weiß seit dem Tutorial-Level wie ich 47 steuern kann, womit ich würgen, morden und mich umziehen kann – wieso muss ich weiterhin daran erinnert werden? Warum kann ich das nicht ausstellen?) hin und her, ich fühle mich in den Leveln einfach wohl. Ich spiele einen spannenden Film mit einer ausreichenden Prise schwarzen Humor.

Ich bin angespannt, ich freue mich, wenn eine von mir gestellte Falle zuschnappt. Die neue Richtung, die das Hitman Universum mit der 2016 Installation genommen hat, punktet für mich weiterhin auf ganzer Linie. Das Sapienza Level ist was die Freiheiten und Navigation angeht nochmal besser als das Showstopper Level in Paris.

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Ich fühle mich durchgehend im Level verloren. Ich denke über Opportunities nach, während ich am Strand entlang schreite. An jeder Ecke wartet etwas neues entdeckt zu werden. Es muss auch nicht dauerhaft geschlichen werden. Wenn man es richtig anstellt, muss man gar nicht schleichen. Wenn man will, kann man sogar alles von der Distanz erledigen.

Den großen Leveln kommen die Verkleidungen und dutzende Gegenstände die man kreativ einsetzen kann absolut entgegen. Das Erkunden der Map lohnt sich unheimlich. Für einen perfekten Score ist Hitman trotzdem noch in einigen Punkten hinterher. Das Spiel scheint sehr Scriptlastig, wenn ich einen Weg einschlage, laufen alle anderen Dinge nach Schema F ab. Das verdirbt der perfekten Immersion, dem Fühlen, dass man mittendrin und dabei ist, leider etwas. Nicht zu schlimm, sonst würde ich nicht so positiv über das Spiel und die Episoden schreiben.

Deshalb gibt es für die Immersion eine grundsolide Wertung von 80%.

Charaktere & Story

Die Ziele im neuen Hitman leiden alle unter fürchterlich extrovertierten Neurosen. Es sind die Kleinigkeiten und Nebencharaktere, die mich in Episode 2 so zufrieden stellen. Vom Drogendealer in einer Dachwohnung, über die geister-Mutti, die den Sohn peinigt – es ist alles dabei.

Sicherlich, es ist immer etwas „over the top“ in Hitman Spielen, aber das gehört zum Charm der Serie. Der Humor in den brutal-ernsten Situationen der Auftragsmorde ist essentiell für die Balance beim Spieler. Nie fühle ich mich gehetzt, die Level schnell zu beenden. Charaktere an jeder Ecke und in jedem Laden schreien förmlich danach, sich ihre lächerlichen Geschichten anzuhören.

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Auch die übergreifende Story, die während des gesamten Spiels im Hintergrund köchelt, nimmt Fahrt auf. Es ist schwierig, die Hitman Serie um Story & tiefgründige Unterhaltungen zu erweitern und sich nicht nur auf das Fortsetzen der Mechanik zu konzentrieren. Damit meine ich, hier ist die Map, dort das Ziel, los gehts. Wiederholen wir das 10 bis 15 mal und fertig. Dazwischen pressen wir irgendwas mit Verrat und Verschwörung und fertig ist der Lack.

Square Enix versucht mit dem neuen Hitman – soweit ich es einschätzen kann – ohne die lustige Art der Levels zu zerstören, etwas Biss und Nachdenken in die Story hinter den Einsätzen zu bringen. Zu hoffen bleibt allerdings nach gerade 2 Episoden, dass die Hintergrund-Story zeitnah in das effektive Spielgeschehen eingreift und Teil davon wird. Und damit meine ich offensichtlich nicht erst im letzten Level für 15 Minuten.

Schaffen die Entwickler das Spagat, ohne das Spielgeschehen zu ändern, gebe ich meinen Applaus. Wenn sie die Story aber nur wie einen toten Leibwächter hinter sich herziehen, damit niemand merkt, dass er fehlt, haben sie nichts aus den Vorgängern gelernt. Dann hätte die Mechanik aber auch besser sein können / müssen.

Eine Verbesserung zu Episode 1 in Paris für mich. Ich gebe 80% für die völlig übertriebene Story & alle neurotischen Story-Details des Level.
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Zusammenfassung

Sehr lohnendes, sonniges Level, dass jeder Fan erkunden sollte. Wer sich nach Paris noch nicht sicher war, ob die Hitman Staffel mit der neuen Richtung etwas für sich ist, weiß es nach der 2. Episode in Sapienza definitiv. Ich für meinen Teil werde immer mal wieder meinen Fuß in das Meer des sonnigen Level tippen.

Das heißt konkret: Es gibt so viele Möglichkeiten, den Auftrag zu erfüllen, dass man immer wieder etwas neues entdeckt. Das ist meines Erachtens nach das größte Versprechen und die beste Neuerung, die das neue Hitman mit sich bringt. Das Level absolviert man auf eine Art und Wiese sicherlich relativ schnell. Aber danach geht es nicht direkt weiter in das nächste Level. Anstelle dessen probiert man sich aus, entdeckt und wird kreativ. Und das ist viel wert. Hier sind alle möglichen Wege, die 2 Ziele in Sapienza auszuschalten:

Gesamtwertung

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Grafik60
Musik65
Charaktere & Story80
Immersion80
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